Zille-Grundschule

Berlin / Friedrichshain-Kreuzberg

Kleinklasse

Die Zille–Grundschule liegt in einem sozialen Brennpunkt Berlins, in der Nähe des S–Bahnhofes Ostkreuz. Ungünstige Erfahrungen innerhalb der Familie, im familiären Umfeld und den jeweiligen Lebensbedingungen beeinflussen nachhaltig die Entwicklungsprozesse und Verhaltensmuster eines Teils der im Einzugsbereich der Schule lebenden Kinder.
Gefühle wie „Ich bin schlecht”, „Ich kann nichts” ziehen auffälliges Verhalten nach sich. Es entstehen häufig Verhaltenskreisläufe, die die Kinder von sich aus kaum verlassen können.
Daher haben wir an unserer Schule nach einem pädagogischen Konzept gesucht, das es uns ermöglicht, Kinder in ihrer Verhaltensentwicklung positiv zu fördern. Im Programm der Entwicklungspädagogik (ETEP) haben inzwischen drei  Kolleginnen die Möglichkeit genutzt, an der Fortbildungsreihe „Entwicklungspädagogischer Unterricht“ teilzunehmen und damit eine erfolgreiche zusätzliche Möglichkeit gefunden, Schüler systematisch in ihrer Verhaltensentwicklung zu unterstützen.
Entwicklungstherapie/Entwicklungspädagogik (ETEP) ist ein pädagogisches Programm zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit sich anbahnenden oder bereits existierenden Verhaltensproblemen bis hin zu gravierenden Verhaltensstörungen. Außerdem dient das Programm zur präventiven Arbeit beim Aufbau von Verhaltenskompetenzen generell.
Die Förderung zielt auf den Ausbau sozial-emotionaler Fähigkeiten und orientiert sich an den Stärken und Ressourcen der Kinder bzw. Jugendlichen.

Leitgedanken von ETEP
Sie beziehen sich wesentlich auf die Einstellung der Erwachsenen, die für die Entwicklung der Kinder verantwortlich sind.

- Den Blick auf Stärken richten: Erwachsene, die ihren Blick auf Stärken und angemessenes Verhalten richten, fördern damit das Selbstvertrauen eines Kindes, während die Konzentration auf Auffälligkeiten und Defizite die Selbstwahrnehmung des Kindes in Richtung „Versager“ lenkt und damit seine Entwicklungsmöglichkeiten einschränkt.

- Der Entwicklungslogik folgen: Ein pädagogisches Programm kann dann besonders wirkungsvoll das Persönlichkeitswachstum unterstützen, wenn es sensibel ist für die Individualität eines jeden Kindes innerhalb der typischen Entwicklungsverläufe.

- Freude und Erfolg gewährleisten: Freudvolle und erfolgreiche Erfahrungen steigern die Lernmotivation, auch hinsichtlich der Bereitschaft neue, angemessene Verhaltensweisen auszuprobieren.

- Für bedeutsame Erfahrungen sorgen: Nachhaltiges Lernen durch persönlich und in soziale Gruppen bedeutsame Erfahrungen erfolgt dann, wenn die Kinder die Chance haben, erworbene Verhaltensfähigkeiten auch in anderen Lebensbereichen erfolgreich und befriedigend anzuwenden.

Aufgaben des ELDiB (Förderdiagnostik)
- Feststellung des Ist-Standes, d.h. des sozial-emotionalen und kognitiven Entwicklungsstandes eines Kindes,
- Definition der Förderziele,
- Überprüfung des Fortschritts durch die regelmäßige Wiederholung der Einschätzung;
- Hilfe bei der Entscheidung, ob ein Kind Förderbedarf aufweist,
- Grundlage für die Förderplanung: Unterricht bzw. Förderung und Hilfemaßnahmen werden so ausgerichtet, dass das Kind die im IEP definierten Fähigkeiten auf- und ausbauen kann,
- Unterstützung bei der Absicht in der Beratungsarbeit: weg vom Defizitgedanken, hin zum Entfaltungsgedanken.
Gestaltung von Lernprozessen (Entwicklungspädagogischer Unterricht)
Sollen Kinder, die – am besten mit ihnen gemeinsam – festgelegten Förderziele erreichen, so ist eine dem entsprechende Unterrichtsgestaltung erforderlich; das heißt: Wir wählen
- Themen, die den Schülern Identifikationsmöglichkeiten bieten und ihre sozial- emotionalen Anliegen treffen,
- Materialien, die motivieren und Erfolg sichern,
- Unterrichtsaktivitäten, die es erlauben, die angestrebten Ziele zu erreichen.

Da es verhaltensauffälligen Kindern in der Regel an innerer Sicherheit und Struktur mangelt, ist die äußere Strukturierung das entscheidende Gestaltungselement, um Sicherheit zu vermitteln. Die Form und das Maß der Strukturierung müssen der jeweiligen Entwicklungsstufe angepasst sein.

Wir geben den Schülern Strukturierungshilfen
- in der Zeit (wiederkehrende Abläufe, systematischen Wechsel der Aktivitäten etc.)
- im Raum (durch klare Regelungen, welche Aktivitäten wo stattfinden, welche Materialien, wo zu verwenden sind etc.)
- in der Person des Erwachsenen (durch verlässliche Übernahme der Rolle, die das Kind auf seiner Entwicklungsstufe zur Sicherheit und zur Orientierung braucht).

Interventionsstrategien (Verhaltenssteuerung)
Bei den Interventionen im entwicklungspädagogischen Sinn handelt es sich um ein proaktives Lehrerhandeln, das dem Schüler hilft, das angestrebte Verhalten aufzubauen. Es dient zum Aufbau von sozial–emotionalen Kompetenzen und wird vorwiegend eingesetzt, um angemessenes Verhalten zu sichern und jeden Ansatz dazu zu unterstützen. Die Auswahl der Intervention richtet sich nach der jeweiligen Entwicklungsstufe und orientiert sich an den Entwicklungszielen. Interventionsstrategien sind zum Beispiel: positives Feedback/Lob, Umlenken/Umgestalten, Reflexion/Spiegelung, verbale Interaktion zwischen Erwachsenen, Interpretation, Regeln, physische Nähe, Konfrontation, physische Intervention.
In Zusammenarbeit mit den in der offenen Schuleingangsstufe arbeitenden Kolleginnen wurden 10 verhaltensauffällige Schüler ausgewählt, die sich etwa auf derselben sozial – emotionalen Entwicklungsstufe befinden. Diese Kinder werden in zwei Gruppen, jeweils zwei Doppelstunden in der Woche, am entwicklungstherapeutischen Unterricht in Kleinklassen teil-nehmen, der von zwei Kolleginnen, die die oben genannten Fortbildungsreihe besuchten, geleitet wird.
Die Kinder werden zwei Stunden in der Woche, jeweils montags in der dritten und vierten Stunde und mittwochs in der vierten und fünften Stunde, zu einer Kleingruppe zusammengefasst und nach dem Programm Entwicklungstherapie/Entwicklungspädagogik (ETEP/EUROPE) gefördert.
Ausgehend von dem Ist–Stand des Kindes, also der Bestimmung seiner aktuell vorhandenen sozialen, emotionalen und verhaltensmäßigen Fähigkeiten, werden bestimmte Richtziele, Einzellernziele sowie Strategien zur Verhaltenssteuerung angeboten. Sie sollen der Erarbeitung neuer Verhaltensfähigkeiten dienen. Die Förderung arbeitet systematisch an einer Stärkung und dem Ausbau von Kompetenzen des Kindes.
Ziel der Förderung ist es, eine Passung herzustellen zwischen den Entwicklungsmöglichkeiten und –notwendigkeiten des Kindes einerseits und den Anforderungen und Angeboten der schulischen Umwelt andererseits.